Behandlungsschwerpunkte
Depressive Erkrankungen
Depressionen stellen die am häufigsten diagnostizierten psychischen Störungen dar. Ca. 20% der Erwachsenen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer Depression. Symptome einer Depression sind u.a. Niedergeschlagenheit, Interessenverlust oder Freudlosigkeit und verminderter Antrieb.
Chronische Depressionen: Chronische Depressionen sind charakterisiert durch einen mindestens 2 Jahre anhaltenden Verlauf. Eine leichtere depressive Verstimmung, welche seit mindestens 2 Jahren besteht, wird Dysthymie genannt und stellt auch eine Form der chronischen Depression dar
Angsterkrankungen
Angststörungen gehören ebenfalls zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in der Normalbevölkerung. Etwa 10 bis 15% der Erwachsenen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer Angststörung. Die körperlichen und die psychischen Symptome der Angststörung sind meist sehr belastend. Desweiteren führt die Vermeidung angstauslösender Situationen häufig dazu, dass sich der persönliche Aktionsradius einengt und das Selbstwerterleben sehr beeinträchtigt.
Folgende Angststörungen werden unterschieden:
- Kernmerkmal der sozialen Phobie ist eine übermäßige Angst vor negativer Bewertung in bestimmten zwischenmenschlichen Situationen wie z.B. soziale Begegnung mit anderen Personen, Essen oder Trinken in Gegenwart anderer Menschen, Redenhalten in der Öffentlichkeit.
- Patienten mit Panikstörungen leiden unter wiederkehrenden heftigen Angstattacken. Oft sind sie in ständiger Angst vor der nächsten Panikattacke.
- Die generalisierte Angststörung ist durch ein starkes und anhaltendes Erleben von Sorgen gekennzeichnet.
- Menschen, die an spezifischen Phobien leiden, haben vor bestimmten Auslösern (Höhe, Flüge, Tiere, Blut) große Ängste.
Autismus-Spektrum-Störungen
In den letzten Jahren haben sich ein höheres gesellschaftliches Bewusstsein für Autismus und eine Verbesserung der diagnostischen Möglichkeiten einer Autismus-Spektrum-Störung entwickelt. Auch weiß man mittlerweile, dass Autimus viel häufiger vorkommt als noch vor wenigen Jahren vermutet. In den USA wird die Häufigkeit von Autismus bei 8-jährigen Kindern strukturiert erfasst (The Autism and Developmental Disabilities Monitoring (ADDM) Network). Die jüngste Auswertung aus dem Jahr 2016 ergab hierbei, dass eines von 54 Kindern im Alter von 8 Jahren eine Autismus-Spektrum-Störung aufwies (CDC - Center for Disease Control and Prevention: Prevalence of Autism Spectrum Disorder Among Children Aged 8 Years — Autism and Developmental Disabilities Monitoring Network, 11 Sites, United States, 2016; Zugriff am 28.03.2021).
Noch vor wenigen Jahren war das Wissen um Autismus viel weniger verbreitet. So gibt es heute Erwachsene im Autismus-Spektrum, die bisher weder von anderen noch von sich selbst als Autisten erkannt wurden. Bestehende Schwierigkeiten in der sozialen Wahrnehmung und Kommunikation können nicht selten von den sehr intelligenten Betroffenen durch geschickte Kompensationsstrategien so gut gemeistert werden, dass eine Diagnose lange nicht gestellt wird. Die autistische Strukturiertheit muss auch nicht bei jedem Betroffenen als Krankheit oder Störung verstanden werden. Vielmehr kann sie als sogenannte Normvariante verstanden werden, denn die Vielfalt des Normalen im Bereich des Lebens ist groß. Immer wieder ergeben sich jedoch bei autistischen Menschen aus den Problemen der sozialen Wahrnehmung und Kommunikation erhebliche zwischenmenschliche Konflikte oder Erfahrungen des Ausgegrenzt-Werdens. Die korrekte Diagnose wird deshalb von vielen Betroffenen als befreiende Erklärung für das lebenslange erlebte Gefühl des „Verschieden-Seins von der Umwelt“ erfahren. Spezifische, auf das Autismus-Spektrum zugeschnittene psychotherapeutische Interventionen können wirkungsvoll dabei helfen, Stresssymptome zu lindern, die soziale Wahrnehmung und Kommunikation zu verbessern und insgesamt zu mehr Lebensqualität zu führen.